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Susanna Mälkki

Balancieren zwischen Tradition und Innovation

Susanna Mälkki betritt die Bühne des Helsinki Music Centre in einem eng geschnittenen schwarzen Anzug. Sie ist eine zierliche Person, die Ohrringe funkeln, der Pferdeschwanz schwingt hin und her – aber sie übernimmt unverzüglich und entschlossen das Kommando über die mehr als hundert Musiker des Helsinki Philharmonic Orchestra. Mit energiegeladenen, fließenden Bewegungen führt sie ihre Truppe durch ein umwerfendes russisches Programm bestehend aus Liadov, Shostakovich und Tchaikovsky

Und es wird bald tatsächlich ihre Truppe sein. Im Herbst 2016 übernimmt Mälkki als erste Frau den Posten als Chefdirigentin des HPO. Weltweit ist sie erst die Dritte auf einem vergleichbaren Posten. Doch bei einem Espresso im Café des Music Centre tut sie die Gender-Diskussion ab. 

„Letztlich ist es für das, was wir tun, irrelevant“, sagt sie. „Natürlich bin ich glücklich darüber, dass sich die Zeiten verändern; es ist an der Zeit. Es gibt eine Generation, die 15 oder 20 Jahre jünger ist als ich, die auf eine Weise gefördert und unterstützt wird, wie es vor 15 Jahren nicht der Fall war. Das ist sehr positiv, aber es ist ein langer Prozess“, sagt Mälkki mit einem amüsierten Funkeln in ihrem direkten Blick

Ende November dirigierte Mälkki einige der gleichen Stücke, als sie ihr Debüt beim London Philharmonic Orchestra gab. Die Veranstaltung wurde live von der BBC übertragen. Bereits letzten Sommer war die BBC Gastgeberin, als Mälkki die BBC Symphony während des Proms Festivals leitete.

Mälkki ist seit Langem ein bekanntes Gesicht in den großen Konzertsälen Europas. Nicht zuletzt durch die sieben Jahre als Direktorin des in Paris ansässigen Ensemble intercontemporain, das sich auf herausfordernde neue Musik konzentriert. Darauf folgte eine Arbeitsperiode als Co-Hauptcellistin für die Gothenburg Symphony sowie Dirigierstudien in Helsinki bei den Legenden Jorma Panula und Leif Segerstam.

Außer die erste Frau zu sein, die eine Aufführung an der Mailänder Scala dirigierte, hat sie Opernaufführungen in Hamburg und Paris geleitet, sowie die besten Orchester der USA in Städten wie San Francisco, Los Angeles, Philadelphia und Chicago.

Im Mai bejubelte die New York Times Mälkkis „ruhiges Charisma“ und ihre „wissbegierige Herangehensweise“ während ihres Debüts mit den New Yorker Philharmonikern und fragte: „Wo ist die beeindruckende 46-jährige Künstlerin bis jetzt gewesen?“ Die Zeitung bedauerte es auch, dass Mälkki nicht als neue Direktorin des Orchesters berücksichtigt wurde und lobte Mälkkis „Expertise in zeitgenössischer Musik und einer großen Palette des Standardrepertoires.“ Diese zwei Welten wird sie auch in ihrer neuen Rolle ausbalancieren müssen.

Während Mälkki als Verfechterin mutiger zeitgenössischer Komponisten gilt, steht das HPO – das 1882 von einem guten Freund Sibelus‘ gegründet wurde – für ein konservatives Vermächtnis.

„Das Orchester hat ein sehr traditionelles Image, und das ist etwas, das ich nicht verändern will. Wir wollen dieses Image definitiv beibehalten und vielleicht etwas hinzufügen. Mehr aus dem zwanzigsten Jahrhundert und sogar etwas aus unserer eigenen Zeit. Traditionellerweise hat das HPO das Standartrepertoire gespielt, aber das Orchester ist auch sehr gut in moderner Musik“, fügt sie hinzu.

Über ihr eigenes Profil sagt Mälkki: „Es ist wahr, dass ich am besten für zeitgenössische Musik und Musik aus dem 20. Jahrhundert bekannt bin. Aber ich möchte gerne von mir selbst als jemanden denken, die beides kann, wie ich es immer getan habe. Und die neue Musik, die ich dem Programm hinzufügen möchte, ist die, von der ich denke, dass sie es verdient, gehört zu werden. Nicht nur, weil wir die Aufgabe haben, das zu tun, sondern wegen der großen Faszination. Ich möchte Vertrauen zum Publikum aufbauen, sodass sie denken ‚Ok, sie hat das ausgewählt, es könnte sich lohnen, es zu hören.‘ Es werden Namen sein, die sie nicht kennen, aber ich werde glücklich sein, sie zu präsentieren, weil ich an die Musik glaube.“

Geschrieben von Wif Stenger.



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