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Schwarzes Gold aus glücklichen Händchen: Indie-Labels aus Finnland

Finnische Plattenfirmen haben neben knurrigem Metal und schwermütiger Volksmusik noch eine ganze Menge mehr in ihren Katalogen: Ein Ritt durch die finnische Label-Landschaft.

Skandinavische Depression? Von wegen! Indie-Finnland ist jung, voller Energie und hört auch jenseits seiner paar Sonnenstunden nicht auf zu wachsen. Dass die Plattenfirmen neben knurrigem Metal und schwermütiger Volksmusik noch eine ganze Menge mehr in ihren Katalogen haben, wird trotzdem gern unterschlagen. Ein Ritt durch die finnische Label-Landschaft zeigt, wie unachtsam das ist.

Zugegeben: Es wäre töricht, wie eine Motte immer nur im Licht zu flattern, wenn Musik aus Finnland gefragt ist. Allein das Label Svart Records lockt mit allerlei erlesenen Signings hinüber in den Schatten. Der Name "Svart" (schwedisch für "schwarz") kommt dabei nicht von ungefähr: Neben dem Bereisen düsterster Klangwelten quer durch alle Genres ist dem in Turku ansässigen Label auch das schwarze Gold eine Herzensangelegenheit. Zahlreiche Alben, die zuvor nicht auf Vinyl erhältlich waren, haben auf Svart ihre analoge Heimat gefunden, darunter auch größere Namen wie etwa Killing Joke oder Katatonia. Hinzu kommen wertvolle Geheimtipps für alle, die gern im Spannungsfeld zwischen Doom und Psych durch die Ritzen kriechen.

Für Qualität im "Special Interest"-Bereich steht das Hauptstadt-Label Solina. Sein wohl schrillstes Signing: die selbsternannte Post-Apocalyptic-Lasermetal-Band (sic!) Nightsatan. Doch auch die Trigonometrie-begeisterten Synth-Architekten von Sin Cos Tan machen sich nicht schlecht in der Kundenkartei, stehen sie doch mit für das Hochkochen einer neuen Indie-Welle im Land der tausend Seen – die im Übrigen schon längst über die Ostsee zu uns hinübergeschwappt ist.

Verwechslungsgefahr besteht mit den Kollegen von Soliti. Dort stehen unter anderem die finnisch singenden Rocker von Gim Kordon und die Indie-Pop-Band Satellite Stories unter Vertrag. Ihre weniger bekannten Labelgeschwister, darunter das Slowcore-Duo Cats Of Transnistria oder die gar nicht mal so schwarz aufgelegten Bands Black Lizard und Black Twig wollen einem, hat man sie erst einmal aufgelegt, nicht mehr so schnell aus dem Ohr.

Ein bisschen weiter nördlich, im Städtchen Pori, sitzt Ektro mit seinen drei Imprints. Spätestens dort nimmt die Englisch-Dichte rapide ab; die meisten Bandnamen und Albumtitel sind in finnischer Sprache gehalten und dürften den Hörern im restlichen Europa nur schwerlich über die Lippen, wenn überhaupt erst zu Ohren kommen. Das Stöbern lohnt sich dennoch, zumal gerade das Finnische vor allem dann seinen Charme entfaltet, wenn man es nicht versteht. 

Fonal Records wiederum diente seinem Founder Sami Sänpäkkilä zunächst als Unterstand für den Output seines eigenen Bandprojektes, beherbergt aber mittlerweile gut zwei dutzend weitere Künstler, die es sich zumindest anzuspielen lohnt. Aber wie bei so gut wie allen anderen finnischen Labels dieser Größenordnung, die während der 00er Jahre aus dem Boden sprossen, bleiben einem auch hier nennenswerte Fehlgriffe erspart. Finnlands Labelmenschen haben offenbar mehr als nur ein glückliches Händchen.

Valentin Erning ist freier Musikjournalist und schreibt vor allem für das Popkulturmagazin INTRO. 



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