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Okra Playground starten die Folkparty

Okra Playground bringen ihr spannendes elektronisches Update der finnischen Folkmusik im Herbst nach Spanien zur WOMEX 16 World Music Expo.

Die finnische Folkmusik ist unendlich faszinierend – aber lasst uns ehrlich sein – oft ziemlich düster. Man kann das den langen dunkeln Wintern ankreiden, die eine der nördlichsten Nationen der Welt formen. Versucht zu vergessen, was ihr über die Folktraditionen Finnlands wisst, und hört euch Okra Playgrounds Debütalbum 'Turmio' mit frischen Ohren an. Denn es ist lebhaft und fröhlich.

Anfangs mag man sich an Värttinä, Finnlands erfolgreichste Weltmusikband, erinnert fühlen, die seit einem Vierteljahrhundert auf Festivals weltweit anzutreffen ist. Es ist wahr, in beiden Gruppen singen drei energiegeladene Sängerinnen, die von Musikern begleitet werden. Doch alle sechs Okra Playground-Mitglieder sind gleichberechtigte Partner. Alle sind virtuose InstrumentalistInnen, aber sie teilen das Rampenlicht, und behalten einen festen Fokus ohne gewundene Soli bei.

Es ist auch wahr, dass einige der Okra-Songs von den gleichen historischen, karelischen Traditionen Ostfinnlands beeinflusst sind, obwohl die Band aus Helsinki stammt. Auch bei Okra Playground finden sich heroische Erzählungen über Väinämöinen aus dem finnischen Nationalepos Kalevala, und im ersten Lied Kaunokieli  (Silberzunge) Warnungen über einen glattzüngigen Charmeur, der Dorffrauen verführt.

Hier hören die Ähnlichkeiten mit älteren Bands jedoch auf. Bei Okra Playground setzt die Tradition zum technologischen Sprung an in einen funkelnden Mix aus Elektronik und Akustik, eingängigen Popmelodien und Worldbeat-Würze. 

In Kun mun kultani tulisi (Sollte meine Geliebte kommen) findet sich beinahe einen Hauch Metalmusik. Die sich langsam aufbauende Soundscape bringt Schlangen, Gräber und Leidenschaft über den Tod hinaus mit sich. Das Stück ist durchzogen von dreiteiligen Melodien, die einem Schauer den Rücken herunterlaufen lassen aber doch eingängig sind, und die in eine ungewöhnliche Instrumentation eingebunden sind.



Gute Musik mit guten Freunden

Die Rhythmussektion sieht mit Perkussionist Tatu Viitala und Bassist Sami Kujala so aus, als ob sie zufällig aus einer Indierockband dazu gestossen sind. Tatsächlich spielt Kujala, der einem jungen Roger Daltrey ähnlichsieht, mit Akkordeonist und Keyboarder Veikko Muikku in einer Partycover-Band. Er und seine Frau, Sängerin, Kantelespielerin und Komponistin durchzogen, Essi Muikku trafen in einer anderen Band aufeinander, bevor ihr 2010 die Idee für Okra Playground kam.

„Eigentlich wollte Essi einfach eine Band mit guten Leuten, guten Freunden, die gute Musik spielen, starten - vielleicht eine Art Partymusik,“ erklärt er.

Die Sängerinnen Maija Kauhanen und Päivi Hirvonen treten in der Zwischenzeit Solo und manchmal als Duo auf. Kauhanen spielt das finnische Nationalinstrument Kantele, während Hirvonen die genauso traditionelle, mit den Bogen gestrichene Leier Jouhikko und die Geige spielt. Beide schreiben Songs für die Band.

„Manche Texte sind alt, aber wir ändern sie etwas ab, und wir haben angefangen unsere eigenen Texte auf dieser Tradition aufzubauen. Insgesamt kommt mehr von uns als aus der Tradition,“ sagt Hirvonen.

Der Grossteil der Bandmitglieder lernte sich an der Sibelius-Akademie in Helsinki kennen, und entwickelten ihre Songs während mehrerer Jahre, „aber damals waren sie anders, akustischer,“ erklärt sie. 2014 fing die Band an mit dem Produzenten Sami Kurppa am Album zu arbeiten.


Akustisch -  Elektronisch


„Wir haben ihm nicht wirklich freie Hand gelassen, aber wir wollten zur nächsten Ebene aufsteigen. Und wir sind sehr glücklich mit dem, was er getan hat, einschliesslich dem Programmieren. Wir bringen gewisse dieser elektronischen Dinge in die Liveshows mit ein. Aber wir haben nicht genug Hände, deswegen gibt es auch einige Loops, Samples und Backing Tracks,“ erklärt Muikku.

Muikku merkt an, dass die KantelespielerInnen Effekte-Pedale benutzen, welche einfach zu integrieren sind, da die modernen Kanteles Kontaktmikrofone haben, und stehend gespielt werden können.

„Aber die Geige, Jouhikko und das Akkordeon sind rein akustisch. Das haben wir bewusst so gehalten, so dass man die Mischung aus akustischem Klang und Elektronik hören kann,“ sagt Muikku.

„Unsere subtileren Elemente funktionieren live nicht. Man hört sie vielleicht nicht, besonders an Barkonzerten. Deswegen muss man es etwas simpler und roher gestalten.“

Das war klar der Fall als die Band ihre ersten internationalen Konzerte auf dem Nordsjøfestivalen in Norwegen spielte, nachdem sie kurz zuvor das Publikum auf dem Flow Festival in Helsinki begeistert hatten.




Zu Balladen feiern


„Norwegen war eine Reise zurück zu unseren Wurzeln, da eines unserer Konzerte akustisch war. Wir hatten keine Zeit für einen Soundcheck und deswegen entschlossen wir uns alles akustisch zu spielen. Und es funktionierte gut. Der andere Gig war in einer Brauereibar, die Leute hatten also Spass. Sie riefen ´Woo-hoo, es ist grossartig‘, sie feierten und tanzten,“ erinnert sich Hirvonen grinsend.

Lenkt das während der ruhigeren akustischen Songs nicht ab?

„Überhaupt nicht. Wenn den Leuten danach ist, während einer Ballade zu feiern, dann sollten sie das tun! Es stört uns und unsere Konzentration nicht,“ sagt sie. „Wir wissen genau wie die Songs zu klingen haben.“

„Es spielt keine Rolle. Wir versuchen beide Arten von Publikum zu erreichen,“ fügt Muikku hinzu.

Oh, eine Sache noch: Bezieht sich der Name der Band auf ein tropisches Gemüse?

Hirvonen lacht leise und sagt: „Na, wieso nicht? Ich selbst jedoch denke an die Farbe Ocker. Eine Art Gelb-Orange, wie die Blätter im Herbst, die wunderschön, mystisch und verspielt sind, so wie ich denke unsere Musik ist.“

Bezüglich des zweiten Teils des Namens weist Muikku darauf hin, dass „die Band für uns ursprünglich ein Spielplatz (Playground) war – und immer noch ist.“

Okra Playground treten an der WOMEX 16 World Music Expo in Santiago de Compostela in Spanien mit einem Late-Night-Showcase auf: Am Donnerstag, 20. Oktober 2016 im 700 Sitze umfassenden Auditorio Abanca.


Das Album Turmio wird in fast ganz Europa vom deutschen Label Nordic Notes vertrieben, und ist weltweit als Stream erhältlich.


Autor: Wif Stenger



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