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Mika Rättö und der Gemütszustand Pori

Pori ist eine mittelgrosse Stadt an der finnischen Westküste. Pori hat 85 000 Einwohner und eine glorreiche Schwerindustrievergangenheit. Aber während der letzten Jahrzehnte ist der Ruhm Poris nach und nach verblasst.

„Im Film Rambo 2 gibt es einen Oberst der sagt: ‘Was ihr Hölle nennt, nennt er [Rambo] zu Hause.’ Ich vermisse in Pori nichts, aber ich kenne viele Leute, bei denen diese Stadt vor allem Angst und Depressionen auslöst," sagt Mika Rättö, 42, eine der prominentesten Gestalten, die Poris Musikszene zu bieten hat. 

In den 1980ern gab es zwei grosse Bands, die aus Pori kamen: und Dingo. Dingo waren für die „Dingomania”, ein entfernter finnischer Cousin der Beatlemania, verantwortlich, die zehntausende junger finnischer Teenagermädchen dazu brachte sich Hals über Kopf in ihre Idole zu verlieben.

Diese Zeit ist längst vorbei, aber seit der frühen Nuller-Jahre ist Pori eines der blühenden Zentren des finnischen Musikuntergrunds. Eine eng verknüpfte Gruppe von Männern ihren späten Dreissigern und frühen Vierzigern haben eine Fülle an Bands und kurzlebigen Musikprojekten hervorgebracht. In dieser Szene, mit Bands wie Circle (welche von der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter 2011 zur „die beste Band der Welt" ernannt wurde), Kuusumun profeetta, Rättö ja Lehtisalo, Eleanoora Rosenholm und Bensiini, hat die Manie die Plätze getauscht. Nun treibt sie die Musiker und deren Freiheit zur Selbstdarstellung an.

 „Es ist nicht New York, aber wer braucht schon ein solches Ramba-Zamba. Das Wichtigste ist, Dinge einfach zu tun."

Mika Rättö mit Circle. Foto: Tomi Palsa

In Mika Rättös Kunst gibt es nur die DIY-Einstellung. Was er auch immer erschaffen hat, er hat ganz von vorn angefangen, ohne eine Ahnung zu haben, wie man es technisch macht. Neben seiner Ausbildung zum bildenden Künstler hat er sich in anderen Bereichen alles selbst beigebracht.

Das hielt Rättö nicht davon ab ein Kernmitglied der stereotypischen, modernen Pori-Band zu werden (hauptsächlich dank seines kreischenden Power Metal-Falsetts), zwei Romane zu schreiben (vom renommierten finnischen Verleger Teos herausgebraucht) und nun auch bei seinem ersten Spielfilm Regie zu führen, ihn zu schreiben und gleichzeitig darin zu spielen.

Samurai Rauni Reposaarelainen ist eine Samurai-Saga, die im historischen Meri-Pori (wörtlich übersetzt: Meerpori) stattfindet, den Dörfern zwischen Zentralpori und der Ostsee. .

„Einen Film zu machen unterscheidet sich sehr stark davon zehn Songs oder zwanzig Szenen zu schreiben. Er muss von Anfang bis Ende diese symphonische Kraft haben, was nicht einfach ist."

Es ist wieder die Einstellung die zählt: Wenn man ohne Vorkenntnisse bei Null anfängt, lernt man am meisten. Rättö erklärt wie er jede einzelne Filmrolle selbst gekauft hat, und wie er feststellte, dass in der Originalversion des Drehbuches die erste Szene allein bereits 17 Minuten lang gewesen wäre.

„Ich habe die Schule nie gemocht. Es ist besser Dinge einfach zu tun und danach zu analysieren, was falsch gelaufen ist. Am Anfang bringt es einen dazu den Kopf gegen die Wand zu hauen, aber dann lernst du."



Im Pori geht es bei der Musik nicht um Erfolg, sondern um die Möglichkeiten. Eine zentrale Figur der örtlichen Szene und Gründer von Ektro Records, Jussi Lehtisalo, schrieb zum Beispiel seine Magisterarbeit über eine Performance, in welcher er Circles "Marke" mit der einer lokalen Band namens Falcon vertauschte. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte Circle ihre Alben unter dem Namen Falcon, und umgekehrt. Das sagt etwas Essentielles über den Gemütszustand Pori aus.

„Ich erreiche keine bestimmten Ziele, Verkaufszahlen oder einen gewissen Status, noch fürchte ich mich davor das nicht zu erreichen. Bei allem was ich tue geht es darum, dass ich unglaublich enthusiastisch bin. Es ist sehr befreiend."

Rättö sagt auch, dass es eine Einschränkung wäre, sich auf ein bestimmtes Feld zu spezialisieren.

„Es ist wichtig, dass Chirurgen sich auf gewisse Darmerkrankungen spezialisieren, aber sie sind Chirurgen. Für mich fühlt sich so etwas nicht natürlich an."

Im Gegensatz zu seiner dramatischen Bühnenpersona und seiner endlosen Multitalentiertheit, sagt Rättö, dass er ein ruhiges und etwas asketisches Leben führt. Er blüht zu Hause in Pori auf, hört überhaupt keine Musik, sondern schaut sich anstatt dessen Filme an und spielt PlayStation.

„Ich wache um zehn Uhr auf, trinke zwei Tassen Kaffee, dusche und schreibe einfach bis irgendwann. Dann esse ich zu Mittag und schreibe bis am Abend. Danach schaue ich mir vielleicht einen Film an," sagt Rättö.

„Mein Wohlbefinden dreht sich darum, wie tief ich in die Routine eintauche."

Autor: Oskari Onninen




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