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Kopfnicken in Helsinki

HipHop aus Finnland

Wie in vielen Teilen der Welt, hat der HipHop in den vergangenen Jahren auch Finnland endgültig erobert. Eine Reihe junger Künstler, oft mit Migrationshintergrund, deren musikalische Wurzeln statt bei finnischem Tango im amerikanischen Rap und R’n’B liegen, ist bereit, auch außerhalb ihrer Heimat Gehör zu finden. Helsinki ist das Zentrum einer Szene, die oft wie ihre Vorbilder auf englische Reime setzt.
 
Der in Liberia geborene MC Ekow und Produzent SimonSound bilden The Megaphone State und zeigen auf ihrem aktuellen Album Ghost eine breite Stilpalette. Während der Rap von klassischem Boom Bap bis zu abstraktem Spoken Word reicht, sind die Beats von alten Meistern wie J Dilla oder DJ Premier beeinflusst. Einer der jungen Künstler, den das Duo bereits früh als Feature-Gast einlud, ist mittlerweile selbst in die Spitzenriege aufgestiegen. Noah Kin, Jahrgang 1994 und bereits mit drei Soloalben im Rücken, wurde vom britischen MTV bereits als „nächstes großes Ding“ gefeiert. Und das nicht zu Unrecht. Die durchweg elektronischen Produktionen die der finnisch-nigerianische MCs üblicherweise co-produziert, müssen sich nicht vor internationalen Vergleichen verstecken. Die Stücke von Noah Kin reflektieren Cloud Rap und Trap, binden gelegentlich Gesangspassagen ein und scheuen weder Pop noch Tiefgang. Ein Komplettpaket bereit für den ganz großen Durchbruch.

Labelmate von Noah Kin bei Cocoa Music ist Biniyam, der Ende letzten Jahres mit der Single Royal Beggar musikalisch auf den Spuren von Kanye West wandelte. Der junge MC deutsch-äthiopischer Herkunft veröffentlichte im Januar 2014 seine Debüt-EP und gilt als Nachwuchshoffnung. Etwas länger dabei ist Deogracias Masomi alias Gracias, der ebenfalls auf Cocoa veröffentlicht. „I stand where I stand. A man with a plan“, kommentiert der 28jähirge in seinem Song Levels (Stream Fast Die Young). Die Beats über die der finnisch-kongolesische MC in ruhiger, unaufgeregter Weise seine Texte rappt beziehen neben Dubstep und Chillwave auch afrikanische Trommeln ins zeitgemäße HipHop-Muster mit ein. Nachzuhören auf dem 2014er Album Elengi.

Neben den englischsprachigen Acts gibt es natürlich auch eine einheimische Szene, die sich der Muttersprache verschrieben hat. Hier finden sich etwa Ruger Hauer, ein Trio deren Videos schwarzen Humor nahelegen. Die kantigen Beats lassen zudem erahnen, dass es sich um Fans der Beastie Boys handelt. Der etwas polternde, umständlich wirkende Rapstil hingegen scheint den Tücken der finnischen Phonetik geschuldet. Deutschsprachige MCs kennen das Problem. Dass es auch anders und runder geht, zeigt etwa der Underground-Künstler Pianomies, dessen Trap und R’n’B beeinflussten Songs sanft sind, wie Hustensanft.

Einen ganz anderen Weg zur Überwindung der Sprachbarriere hat Marko Vuoriheimo gefunden. Als Signmark rappt der Gehörlose seine Zeilen in den Videos in Gebärdensprache.  

Bastian Küllenberg ist Redakteur des INTRO Magazins. Dort schreibt er eine monatliche Review-Kolumne zum Thema HipHop und trifft Rapper wie Haftbefehl oder MoTrip zu Interviews.

An den finnischen Sommerfestivals gibt es auch eine ordentliche Portion Hip Hop und finnische Rapper: Am Blockfest in Tampere (21.-22-August) treten zum Beispiel The Megaphone State mit vielen weiteren finnischen und internationalen Acts auf und auch am Pipefest in Himos (23.-25. Juli) gibt es eine geballte Ladung Rap. Hier gibt es alle Infos zu den finnischen Sommerfestivals. Wer es nicht bis nach Finnland schafft, hat z.B. am Reeperbahn Festival in Hamburg die Gelegenheit, Noah Kin live zu sehen.

The Megaphone State: Webseite, Facebook, Spotify

Noah Kin: Facebook, Spotify

Biniyam: Facebook, Spotify

Gracias: Webseite, Facebook, Spotify

Ruger Hauer: Facebook,  Spotify

Pianomies: Facebook, Spotify

Signmark: Webseite, Facebook, Spotify


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