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Ich werde mich treiben lassen bis ich lerne zu schwimmen – Almas verrückter Sommer

Es gibt Dinge, die niemand erwarten oder vorhersagen kann. Nicht einmal die Personen, um die es geht. Nicht einmal die 20-jährige Sängerin Alma Miettinen.

Es gibt Dinge, die niemand erwarten oder vorhersagen kann. Nicht einmal die Personen, um die es geht. Nicht einmal die 20-jährige Sängerin Alma Miettinen.

Anfang Juli veröffentlichte sie ihren ersten Song Karma, einfach um zu sehen, was passiert. Nun, weniger als zwei Monate später, ist Karma der am zweit meisten gestreamte finnische Song der 2010er Jahre, direkt nach Hollywood Hills von Sunrise Avenue. Bis jetzt wurde der Song über 12 Millionen Mal gespielt, und nur ein Drittel der Streams kommt aus Finnland.

„Es ist ziemlich cool,” sagt Alma, und der gleichgültige Ton verrät, dass sie die gleiche Frage bereits ein dutzend Mal gehört hat. Alma sitzt im Büro ihres Labels in Helsinki, trinkt Cola Light, is ganz in Schwarz gekleidet, und spricht fliessend Musikbusiness.

Und natürlich ist es cool, also wirklich sehr cool, aber es fühlt sich nicht mehr wie eine grosse Überraschung an. Alma gewöhnt sich an die Situation, dass sie die erfolgreichste internationale Newcomerin ist, die Finnland in Jahren hervorgebracht hat.



„Wir wollten einen guten Song als Pre-Single veröffentlichen, nicht den Besten. Es ist ein Song, der für mich alle Türen geöffnet hat."
Almas Geschichte ist die eines Stars, dessen Geschichte Gestalt annimmt. 2013 nahm die 17-jährige Alma, die ihr ganzes Leben Amy Winehouse und Jackson Five gehört hat, an der finnischen Idols-Version teil.

Sie schied vor dem Halbfinale aus, aber während dem Wettbewerb freundete sie sich mit Jurymitglied und Rapperin Sini Sabotage an, und wurde für ein paar Jahren zu deren Hypewoman an Konzerten. 

Bald bat Andrei Kipahti, künstlerischer Leiter von Sini Sabotages Label PME Records, Alma mit ihm Songs zu schreiben. „Okay“, dachte sie sich und so fingen sie an, sich im Keller des Studios zu treffen um Demos zu schreiben.

„Diese Songs machten keinen Sin,” erinnert sich Alma nun.

Dann, eines Tages, rief Kipahti sie an und erzählte ihr von „einem eigenartigen Songwriting Camp auf Suomenlinna, das sich auf Rap konzentriert“ und an dem Alma teilnehmen sollte. Dieses eigenartige Songwriting Camp war der von Music Finland organisierte Hip Hop Workshop, der auf den deutschsprachigen Musikmarkt ausgerichtet war.

Und sie nahm teil.

„Es war das erste Mal, das ich wirklich Songs in einem Studio schrieb, mit einem Produzenten. Aus irgendeinem Grund mochten sie mich, und baten mich, sie in Deutschland zu treffen, wo ich einen Vertrag mit Sony ATV Publishing unterschrieb,“ erzählt Alma.

„Alles begann mit diesem ersten Songwriting Camp. Seitdem ist die Hölle los.“

Und was da alles lost ist. Nebst Karma hört man Alma auch auf dem Song Bonfire des deutschen EDM Künstlers Felix Jaehn, welcher an der Spitze der deutschen Charts stand. Sie hat zwei Verträge mit Major Labels unterschrieben: Mit Warner in Finnland, Skandinavien und dem Baltikum und mit Universal Music Germany für den Rest der Welt. Almas erste EP erscheint in den kommenden Wochen, und ihr Debütalbum im ersten Quartal 2017.

„Ich habe mich in Sessions mit mit Grammy ausgezeichneten Produzenten wiedergefunden, in welchen ich dachte, dass Versagen keine Option ist. Aber ich bin eine Person, die jemanden braucht, der mich ins kalte Wasser wirft, nur damit ich Dinge lerne. Sonst bin ich zu faul um etwas hin zu bekommen.“


Wenn man Almas Stil beschreibt kommt einem das folgende in den Sinn: Sie ist jemand, der ausversehen Amy Winehouse heruntergeladen hat, als sie versuchte Crystal Castles zu finden. Im Musikvideo für Karma trägt Alma extrem modische Kleider des französischen Labels Vetements, ihr Instagramname ist „cyberalma“ und ihre Haare sind neongrün.

Aber trotz ihrem Aussehen, singt sie wie ihre Idole – die verletzten SoulsängerInnen mit gebrochenen Herzen. So ist Karma dann auch ein Soulsong, der mehr von der Tradition als von der Zukunft inspiriert ist.

„Ich habe Punk immer gemocht. Nicht die Musik, sondern die Einstellung und den Look. Ich und meine Zwillingsschwester haben immer getragen was wir wollten, egal wie radikal es ist. Das Färben meiner Haare war vor etwa fünf Jahren ihre Idee. Wir waren in unseren schlimmsten Jahren, und Teenager sind so beurteilend – sich jeden Monat die Haare in einer anderen Farbe zu färben war ein Akt der Provokation,“ sagt Alma.

„Aber ich weiss wirklich nicht wie es dazu kam, dass ich Tag für Tag ‚black music‘ auf YouTube suchte.“

Alma ist in der finnischen Popszene aus zwei Gründen eine Seltenheit. Sie singt auf Englisch, und sie spricht sich laut für die Förderung der Frauen aus. Sie mag das F-Wort nicht verwenden, aber sie meint es zumindest.


„Es macht nervös, in eine Schublade gesteckt zu werden, aber ja, ich stehe für feministische Themen ein. Ich denke noch immer, dass Gleichberechtigung das perfekte Ziel wäre.“

Aber ist es nicht sonderbar, dass es in Finnland kaum Popstars gibt, die auch offene FeministInnen sind?

„Wenn jemand fragt, sage ich, dass ich Feministin bin. Aber ich denke sowohl Männer als auch Frauen sind zu ängstlich etwas zu sagen, weil Finnland ein so beurteilendes Land ist. Als ich anfing auf English zu singen, dachte ich, dass mir gesagt werden würde, ich soll gehen, wenn ich mir nicht ‚die Finger verbrennen will,‘“ erzählt Alma.

„Aber fast niemand hat das zu mir gesagt. Es ging mehr in die Richtung: ‚Sie ist unsere Alma. Sie ist unsere internationale Hoffnung.‘ Ich glaube auch daran, und wenn ich es nicht bin, dann Isac Elliot oder Benjamin oder jemand anderes, der zum grossen finnischen Popstar wird. Es geht nicht mehr darum wer von Finnland und wer von Schweden ist. Die Welt ist heute global.“

Autor: Oskari Onninen


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