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ECHO für Kalevi Aho

Die Aufnahme von Kalevi Ahos Theremin und Horn-Konzerten gewinnt den ECHO Klassikpreis

Die Aufnahme von Kalevi Ahos Theremin und Horn-Konzerten hat den renommierten ECHO Klassikpreis für Konzertaufnahme des Jahres (Musik des 20/21. Jahrhunderts) gewonnen. Der Preis wird Aho, den Solisten Carolina Eyck (Theremin), Annu Salminen (Horn) und John Storgårds, dem Dirigenten des Lappland Kammerorchester, am 18. Oktober im Konzerthaus Berlin verliehen. Die Aufnahme wurde von BIS veröffentlicht. Aus diesem Anlass baten wir Kalevi Aho, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Gratulation zum ECHO Klassik-Preis. Sie haben ihn für Ihr Thermin-Horn-Konzerte erhalten-  wie sind Sie dazu gekommen ein Theremin zu verwenden?

Kalevi Aho: Das Thereminkonzert habe ich aus der Initiative der hervorragenden deutschen Thereministin Carolina Eyck komponiert. Sie hatte im Winter 2011 in Washington den Theremin-Part von einem Orchesterstück der russischen Komponisten Lera Auerbach gespielt. Im Nationalen Symphonieorchester von Washington spielt auch der Kontrafagottist Lewis Lipnick. Ich hatte mein Kontrafagottkonzert für Lipnick komponiert – das Werk war sein persönlicher Auftrag – und Lipnick schlug Carolina vor, sie sollte mir unbedingt schreiben; vielleicht hätte ich Lust, auch ein Konzert für Carolina zu komponieren.

Carolina hat mir danach bald gemailt, und ich war an einem Thereminkonzert interessiert. Dann nahm ich Kontakt mit Lapplands Kammerorchester auf, und sie waren bereit, dieses Konzert von mir zu bestellen. Im Juli 2011 fuhr ich nach Leipzig, wo Carolina Eyck wohnt – vor Anfang der Arbeit wollte ich Carolina persönlich treffen, und sie hat mir das Instrument präsentiert und über alle Möglichkeiten des Theremins erzählt. Danach im Herbst 2011 komponierte ich das Konzert.   

Der ECHO-Preis wurde  einer CD gewährt, auf welcher das Lappländische Kammerorchester auch mein Hornkonzert spielt - die Solo-Hornistin auf der CD ist Annu Salminen. Der Preis ist äusserst wichtig - die Konkurrenten waren nämlich so viele weltberühmte Instrumentalisten und Orchester aus aller Welt. Und jetzt haben eine für das große Publikum unbekannte Hornistin und Thereministin plus ein kleines Orchester aus dem Norden den Preis gewonnen, mit meiner Musik. 

Sie schreiben generell öfters Werke für aussergewöhnliche Instrumente, wieso?

KA: Ich habe oft seltene Instrumente in meinen Orchesterwerken benutzt und auch mehrere Konzerte für aussergewöhnliche Instrumente komponiert. Ich habe überhaupt versucht, das traditionelle Instrumentarium des klassisch-romantischen Symphonieorchesters zu erweitern und zu bereichern. Besonders interessiert bin ich an orientalischen Schlaginstrumenten. Auch das Baritonhorn, Saxophon(e) und Heckelphon gehören fast zu den neuen Stamminstrumenten in meinen Orchesterwerken. Durch neue Instrumente entstehen neue Orchesterfarben und sie geben auch neue musikalische Impulse für mich.

Sie komponieren seit vielen Jahren, wie findet man da immer wieder neue Inspiration, neue Wege sich auszudrücken?

KA: Ich habe das Gefühl, ich habe mit meiner Musik noch sehr viel zu sagen, der Kasten ist noch nicht leer. In meinen Orchesterwerken ist die Instrumentation immer etwas anders und auch die Formen und Ausganspunkte sind nicht gleich in meinen Kompositionen. In manchen Werken gibt es Einflüsse von aussereuropäischen klassischen Musikkulturen (besonders von der arabischen, chinesischen und indischen Musik). Und ich strebe nicht nach einem fixierten Personalstil – der Stil kann sich in den nacheinander folgenden Werken variieren. Ich habe Werke in vielen verschieden Werkkategorien geschrieben und habe sogar etwas leichtere Musik komponiert, wie Walzer und Tangos. Mit allen diesen Mitteln versuche ich meine geistige Flexibilität zu bewahren. Und wenn man jeden Tag arbeitet, entsteht  eine „Dauerinspiration“.

Wie haben Sie die deutsche Musikkultur in ihrer Zeit in Berlin erlebt? Hat Berlin/Deutschland Ihr Schaffen beeinflusst? Falls ja, wie?

KA: Meine Studienzeit in Berlin (1971-72) war entscheidend für meine Entwicklung als Komponist – völlig neue Welten haben sich dort eröffnet. Ich habe damals in Berlin viele phantastische Konzerte mit neuer oder älteren Musik gehört. Aber nicht nur das Studium bei Boris Blacher und die Konzerte waren wichtig. Die Stadt Berlin an sich und ihre geistige Atmosphäre waren noch inspirierender. In Berlin wurde man sich der riesigen europäischen kulturellen und gesellschaftlichen Katastrophe der nahen Vergangenheit konkret bewusst. Die Stadt war mit der Mauer geteilt, die Mauer war wie eine blutende Wunde mitten in der Stadt. 

Für einen Finnen war es leicht, auch Ost-Berlin zu besuchen. So konnte man zwei verschiedene Gesellschaftssysteme vergleichen. Und am Anfang der 70er Jahre gab es in Berlin auch viele Studentendemonstrationen - das geistige Klima war sehr politisiert. In Berlin begann man zu denken, nicht nur an die Musik, sondern generell an die Welt und an unsere Gesellschaft. Ich wurde Pazifist in Berlin, und habe später auch gesellschaftlich-politische Themen in meine Werke genommen, besonders in die Opern. 

In Ihren Werken finden sich auch politische Aussagen - wie national/international ist Musik? 

KA: Ich bin nicht für eine hermetisch geschlossene, abstrakte Kunst. Die Pflicht eines Künstlers ist auch (kritisch) Stellung zu beziehen, zu sagen was man von dieser Welt denkt. Man kann zwar mit einer musikalischen Komposition nicht viel verändern. Man kann mit Musik Gefühle ausdrücken und neue Schönheit in die Welt bringen. Ebenso wichtig ist aber auch, dass nach der Aufführung einer Komposition die Zuhörer zu denken beginnen, nicht nur an das gehörte Werk, sondern auch an die Welt in welcher wir leben.  

Eigentlich sind alle Kunstwerke politisch, auch solche Werke, deren Schöpfer sagen, dass sie völlig unpolitisch in ihrer Kunst sind. Aber in diesem Falle akzeptieren sie in der Stille alles was in der Gesellschaft passiert; ihre Kunst ist in diesem Sinne doch politisch. Ich stehe vielen Tendenzen in dem gesellschaftlichen und politischen Leben von heute kritisch gegenüber. Seit dem Anfang der 1990er Jahre sind drei Tendenzen verstärkt, die eine Gefahr für den Weltfrieden bilden, und die die Welt in eine geistige Finsternis zu stürzen drohen.

Diese Tendenzen sind der religiöse Fundamentalismus, extremer Patriotismus und Chauvinismus und der Rassismus. Dazu kommen die wachsende ökonomische Ungleichheit in der neoliberalen kapitalistischen Gesellschaft, die Verschmutzung der Natur und der Klimawandel. In allen meiner fünf Opern gibt es gesellschaftliche Themen, am deutlichsten in der satirischen Oper Aus dem Leben der Insekten (1985-87).

Auch der musikalische Hintergrund von einigen meiner Orchesterwerke (z.B. die 5., 6. und 16. Symphonie, das 1. Cellokonzert) ist eigentlich gesellschaftlich, aber mit einer Musik ohne Worte kann man natürlich keine konkrete Aussage zu machen. Die Musik gibt den Gefühlen einen phantastischen Ausdruck, aber die Musik an sich ist trotzdem keine Sprache, den musikalischen Inhalt einer Komposition kann man nicht mit Wörtern deuten.

Wenn Sie auf Ihre lange Karriere zurückblicken, welches sind für Sie Höhepunkte was Ihre Werke, Aufführungen und Erlebnisse betrifft, welche einen Einfluss auf Ihre Karriere hatten?

KA: Es ist schwer zu sagen, welches die grössten Höhepunkte meiner Karriere sind. Natürlich war die gelungene Uraufführung der 1. Symphonie im Jahre 1971 entscheidend für mich – dieses Konzert hat mir viel positives Selbstvertrauen für meine zukünftige Karriere als Komponist gegeben. Wichtig war auch die Uraufführung der unter Schwierigkeiten entstandenen 5. Symphonie (1977); danach hatte ich das Gefühl, dass für mich jetzt alles möglich ist, sogar allerlei „unmögliche“ musikalischen Aufgaben. 

Die Aufführungen der 8. und 9. Symphonie im gleichen Konzert (1994) waren von großer Bedeutung, wie auch die Uraufführungen meiner Opern. Die 8. und 9. Symphonie waren auch in dem Sinne wichtig, dass danach hat die schwedische Schallplattenfirma BIS  beschloss, meine ganze Produktion auf CDs aufzunehmen, wenigstens alle größeren Werke. Und das war entscheidend für die Entwicklung meiner internationalen Karriere. Von den späteren Werken waren auch die Uraufführung der 12. Symphonie (Luosto-Symphonie) im finnischen Lappland (2003) oder die Uraufführung der Symphonie Nr. 16 vor einigen Wochen (2.9.2015) wichtige Ereignisse für mich. Es gibt eigentlich viele ebenso wichtige Höhepunkte.

An was arbeiten Sie momentan?

KA: Zur Zeit arbeite ich an meinem Violinkonzert Nr. 2.; das ist schon das 25. Instrumentalkonzert von mir. Ich habe ein Konzert für alle Hauptinstrumente des romantischen Symphonieorchesters komponiert und dazu auch Konzerte für andere, ungewöhnlichere Instrumente. Nach dem 2. Violinkonzert sollte ich drei andere Instrumentalkonzerte schreiben, dann die Symphonie Nr. 17 und dazwischen auch etwas Kammermusik. Ich habe Aufträge bis Ende 2018. 


Carolina Eyck spricht über die Zusammenarbeit mit Kalevi Aho und  John Storgårds:


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