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defunensemble: Uneasy listening

Finnlands einziges elektroakustisches Ensemble – so beschreibt sich das defunensemble selbst. Aber Moment – verbinden nicht viele Gruppen elektronische und akustische Instrumente?

Finnlands einziges elektroakustisches Ensemble – so beschreibt sich das defunensemble selbst. Aber Moment – verbinden nicht viele Gruppen elektronische und akustische Instrumente?

Hier verweist die Elektroakustik jedoch auf eine Tradition, welche Elektronik mit zeitgenössischer Musik oder ‘Kunstmusik’ verbindet, und in den 50er und 60er Jahren von Leuten wie Karlheinz Stockhausen und John Cage begonnen, und Steve Reich, Philip Glass sowie Pierre Boulez fortgesetzt wurde. All diese Komponisten finden sich auch im Repertoire des defunensembles.

Die neunköpfige Gruppe spielt auch stachlige, herausfordernde Werke des finnischen Komponisten Magnus Lindberg oder von anderen zeitgenössischen Komponisten, die dem IRCAM, einer elektroakustischen Ideenfabrik in Paris, verbunden sind.

Der Leiter des Ensembles, Sami Klemola ,41, verbrachte Zeit am IRCAM, nachdem er an der Sibelius-Akademie und dem Amsterdam Conservatory Musiktechnologie studiert hatte. Die Inspirationsquellen des ehemaligen Rockgitarristen sind jedoch vielfältig und reichen von den avantgardistischen Saxophonisten John Zorn und Anthony Braxton zu Bands wie Meshuggah, Fugazi und Nine Inch Nails.

Klemola gründete das defunensemble, dessen Name er aus der Geschichte der elektronischen Musik herauspflückte, 2009. Defun (oder define function) ist ein Makro in LISP, einer der ersten Computersprachen, die seit den späten 50er Jahren für Musik verwendet wird. Define function ist auch der Name des Debütalbums der Gruppe, welches im Herbst 2015 erschien. Und obwohl diese Insider-Witze für viele unentdeckt bleiben, „ist der erste Eindruck vieler Leute, dass der Name von ‘de Fun Ensemble’ kommt, was nur positiv ist," wie Klemola sagt. 

Seit den späten 90er Jahren hat Klemola Musik für Theaterstücke, Chor, Sound/Video-Installationen und eine Oper sowie ein studentisches Soundprojekt für den finnischen Pavillon an der 2010 Shanghai World Expo komponiert, welches von über fünf Millionen Besuchern erlebt wurde.

Während Klemola in der Vergangenheit eine Kettensäge und andere ungewöhnliche Instrumente verwendet hat, spielt sein momentanes Ensemble auf mehr oder weniger konventionellen westlichen Instrumenten wie Klarinette, Flöte, Harfe, Cello, Klavier sowie elektronischen Gizmos wie der Cracklebox.

„Mein Hauptinteresse in Musik ist die Intensität,” sagt Klemola. „Ich interessiere mich auch für einfache Variationen, gewisse Arten des Minimalismus, raue, unkonventionelle Klänge und Surrealismus. Wenn ich komponiere versuche ich mit einem tatsächlichen Klangphänomen in Kontakt zu sein, anstatt von einem akademischen oder theoretischen Ausgangspunkt auszugehen. Ich brauche fassbare Energie um an meinen Werken zu arbeiten."

Im August 2015 war das defunensemble die erste zeitgenössische Gruppe, die am Flow Festival in Helsinki auftrat.

„Wir haben gute Rückmeldungen zu unserem Auftritt auf der Other Sound-Bühne erhalten. Diese Bühne ist eine grossartige Initiative vom Flow Festival und stellt experimentelle Musik verschiedenster Genres vor," sagt Klemola.

Ein paar Wochen später waren sie auf dem Weg nach Australien, wo sie begeisterten Zuspruch erhielten.


Das defunensemble am Musica nova Helsinki 2015 Festival

Die Gruppe trat auch in ganz Europa auf, von Russland über Grossbritannien und Island. Unterwegs trafen sie die gleichgesinnte deutsch-isländische Gruppe Ensemble Adapter. Nun spielen die Ensembles im Frühling 2016 drei gemeinsame Konzerte, angefangen mit der Tampere Biennale - einem Festival, welches von Klemola geleitet wird.

„Ich freue mich auf Spielen auf höchster Ebene und intensive Auftritte von Adapter. Und ich bin begeistert von Kimmo Kuokkalas neuem Werk, welches er für die zwei Ensembles geschrieben hat." 

Am Festival feiert auch Klemolas eigenes neues Werk Premiere – eine Kollaboration mit der Zirkustruppe Cicero Aereo. Klemola komponierte zusammen mit Tuomas Norvio und Tapani Rinne von der Elektro/Jazz-Gruppe RinneRadio.

„Die Musik geht von unseren stilistischen Differenzen aus. Deswegen wird es weiche Ambientklänge, Funk, Technobeats, rauen Noise und surrealistische Tanzmusik zusammen mit Bühnenbewegungen und so weiter geben, welche von den Akrobaten und Visual Artists erarbeitet wurden," erklärt Klemola.

Das Festival richtet die Schweinwerfer zudem auf das 20-jährige Jubiläum des Labels Fonal Records und dessen internationale Lieblinge mit Kultstatus wie Eleanoora RosenholmIslaja und Lau Nau.

„Diese Fonal-Künstler arbeiten in spannenden musikalischen Räumen irgendwo zwischen experimenteller und Popmusik," sagt Klemola und ergänzt: „Da findet eine gute Reibung statt" – was genauso gut für seine eigene bahnbrechende Gruppe gelten kann.

Das defunensemble und das Ensemble Adapter werden zudem im Mai zwei Konzerte in Deutschland spielen: Am 26. Mai am Chiffren Festival in Kiel, und am 28. Mai in Berlin als zweiter Teil der Kontraklang-Konzertreihe.

Konzerte

14.4. Tampere Biennale (mit Circo Aereo)
15.4. Tampere Biennale (mit dem Ensemble Adapter)
12.–13.5. Circo Festival, Helsinki/Espoo (mit Circo Aereo)

26.5. Chiffren Festival, Kiel
29.5. KontraKlang, Berlin (mit Ensemble Adapter)

30.5. Klang, Helsinki Music Centre

 

Autor: Wif Stenger / Bearbeitung und Ergänzungen: Aus Finnland


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