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Das Finden der richtigen Stimme im weissen Rauschen

Noah Kin ist ein 22-jähriger in Oslo geborener, finnisch-nigerianischer Rapper, der momentan heimatlos in Helsinki lebt. Seine Musik ist basslastig und düster, seine Texte drehen sich um sein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und die Hyperaktivität seiner Generation. In Kürze wird er die EP The Void veröffentlichen, und er nennt sich selbst "the void of his own life."

Wenn man mit Noah Kin spricht, fühlt man sich älter als man eigentlich ist. Man denkt darüber nach, wie einfach es war in den 1990ern aufzuwachsen, als MCs, die über das Rappen rappten, und DJs, die zu Boom Bap-Beats scratchten, Kangol Hüte trugen und mitunter einen Pimp Cup dabeihatten, Hip Hop waren. Natürlich konnte man sich in Backpacker Rap vertiefen, wenn man mit der AltaVista-Suchmaschine Glück hatte, aber vor MySpace, Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat oder dem nächsten sozialen Medium, das ich noch nicht kenne, war der Hip Hop-Hof ziemlich ordentlich.

„Unsere Generation hat keine direkte Beziehung oder Verbindung zu dieser Musik. Alles was wir über die Vergangenheit wissen ist erlernt, nicht erlebt. Und für unsere Generation spielt das Erleben von Dingen eine wichtigere Rolle um unseren Platz zu finden," erklärt Noah Kin, der in Helsinki lebende Rapper, der definitiv eine Stimme der Post-Millennials ist.

Für ihn stehen die vier Elemente des Hip Hops für eine veraltete Formel, die ihn nicht mehr interessiert als diejenigen im Chemieunterricht. Dennoch hat Rapmusik beim jungen Noah Kin, der nach der Jahrhundertwende MTV schaute, einen starken Eindruck hinterlassen.

„Die unerfreuliche Tatsache für alle ‘True Heads’ ist, dass ich 1994 geboren wurde und in den frühen 2000er Jahren anfing Musik zu hören. Was mich an Rap faszinierte war wie aggressiv und ehrlich man sich selbst ausdrücken konnte."




Noah Kin beschränkt sich nicht nur auf Rap. Experimentelle Musik, ob es Rap, Rock oder Techno ist, begeistert ihn. Er zieht Einflüsse aus allem, das er hört. All dies, zusammen mit der hektischen Umgebung des so genannten ‘Internet-Genres’, und die zersplitterten Hörgewohnheiten der Digital Natives kann mit einer Zeile aus dem Titelsong der The Void-EP zusammengefasst werden: Lately I’ve been listening to white noise, ‘cause I’m trying to hear the right voice.

„Der ganze Song begann damit, wie cool diese Zeile klang. Auf einer Metaebene ist der Gedanke dahinter, dass man heutzutage alles erleben und hören muss, damit man das richtige Ding nicht unwissentlich verpasst. Ich kann mir auch vorstellen, dass es wie weisses Rauschen klingen würde, wenn ich alles was ich höre gleichzeitig hören würde."

Die EP The Void folgt auf Noah Kins drei Alben, die allesamt grossen Anklang gefunden haben, und steuert seinen elektronischen Sound auf einen dunkleren Weg. Während man sich die EP anhört, könnte man sich um Noah Kins Gesundheit oder einen herannahenden Burnout sorgen, da sich auf der EP auch Texte über schnelleres Leben, vielleicht zu schnelles – nein, definitiv zu schnelles Leben – finden, und andere dazu ermutigt werden, Schritt zu halten. Aus Noah Kins Mund klingt das nicht wetteifernd, sondern eher zwanghaft.

„Das ist ein Bezug auf mein eigenes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und die Hyperaktivität unserer Generation. Wir brauchen dauernd neue Reize, und wenn etwas nicht schnell genug geschieht, gehen wir zum Nächsten über. Die ‘Keep up’-Gesänge richten sich besonders an die Generationen vor uns. Sie haben diese Gesellschaft aufgebaut, aber sind dennoch nicht fähig loszulassen, obwohl diese Gesellschaft vor langer Zeit entgleist ist." 




Noah Kin kämpft wie viele seiner Generation dafür, seinen Platz in dieser entgleisten Gesellschaft zu finden. Er wurde in Oslo, Norwegen, geboren, und von dort zog er mit seinen finnisch-nigerianischen Eltern nach Finnland, und ging auf eine englischsprachige Gesamtschule.

„Hier bin ich schwarz, in Nigeria bin ich weiss. Ich sehe das nicht als negative Angelegenheiten, aber ich habe mich nie zu einer Gruppe zugehörig gefühlt, und ich habe mich nie irgendwo zu Hause gefühlt. Momentan bin ich im wahrsten Sinne des Wortes heimatlos."

Wie kann ein talentierter 22 Jahre alter Musiker in einem Wohlfahrtsstaat heimatlos sein? Was ist diese Leere, von der Noah Kin spricht, und wie füllt er sie? Es scheint so, als ob die Suche nach seinem Platz in all dem ein fortwährender Prozess ist.

„Ich bin die Leere. Ich will die Freiheit, zu tun was ich will, aber was will ich tun? Es ist sehr paradox, aber es fliesst auf einer fundamentalen Ebene in unser Bewusstsein ein: Ich weiss nicht, was ich will, aber ich weiss, dass ich das nicht will. Ich glaube, dass ist der erste Schritt in Richtung Veränderung. Zuvor machten die Leute einfach was sie tun sollten, weil es immer so getan wurde – ohne Infragestellung.

„Der Urknall unseres Verstandes steht erst am Anfang und das ist, wie man die Leere füllt."



Geschrieben von Jukka Hätinen.



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